Medizinisches Cannabis gegen chronische Schmerzen: eine Patientengeschichte
Medizinisches Cannabis gegen chronische Schmerzen: eine Patientengeschichte

Chronische Schmerzen stellen für viele Betroffene eine enorme Belastung dar – insbesondere dann, wenn klassische Therapien nur begrenzt wirken oder starke Nebenwirkungen verursachen. Eine aktuelle Fallstudie aus den USA beleuchtet, wie medizinisches Cannabis in einem solchen Fall erfolgreich eingesetzt werden konnte.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Erfolgreiche Opioid-Reduktion: Die Patientin konnte vollständig von ihrer Opioid-Medikation entwöhnt werden.
- Deutliche Schmerzlinderung: Die Schmerzintensität sank von 8 auf 2 von 10 unter medizinischem Cannabis.
- Individuelle Therapie entscheidend: Dosierung und Zusammensetzung des Cannabisprodukts wurden patientenspezifisch angepasst.
Die Patientengeschichte
In einer aktuellen Fallstudie berichtet der Arzt Prof. Dr. Franklin Caldera von der University of Pennsylvania, USA, vom Krankheitsverlauf seiner 43-jährigen Patientin mit chronischen Schmerzen, welche mit konventionellen Behandlungsmethoden und unter starken Nebenwirkungen kaum in den Griff zu bekommen waren [1].
Durch die Verordnung von medizinischem Cannabis konnte die Patientin erfolgreich von ihrer Opioid-Medikation entwöhnt und ihre Schmerzen nachhaltig reduziert werden.
Eine Vielzahl von Medikamenten gegen die chronischen Schmerzen
Die Patientin, wir nennen sie Frau Meier, war im Jahre 2004 in einen schweren Autounfall verwickelt, wobei sich bei ihr ein Schädel-Hirn-Trauma entwickelte. Zudem wurde eine Vielzahl an Knochenbrüchen festgestellt, unter anderem am Kopf, der Wirbelsäule sowie an den Rippen.
Nach der Akutversorgung entwickelte die Patientin starke chronische Schmerzen im Bereich der rechten Kopfseite, der Schultern sowie des Nackens. Auf der Schmerzskala von 0–10 stufte sie diese mit 8 von 10 ein.
Es folgte eine über 14 Jahre andauernde Therapie mit vielfältigen verschreibungspflichtigen Medikamenten, darunter das hochpotente Opioid Morphin, entsprechend der höchsten Eskalationsstufe des WHO-Stufenschemas.
Trotz einer Reduktion der Schmerzen auf 4 von 10 war dies nur unter einem erheblichen Nebenwirkungsprofil mit Benommenheit und Verstopfung möglich. Zudem äußerte Frau Meier die Befürchtung einer Opioidabhängigkeit.
Beginn der Behandlung mit medizinischem Cannabis
Im Jahr 2018 entschied sich das Ärzteteam gemeinsam mit Frau Meier für eine Therapie mit medizinischem Cannabis. Zunächst wurde sie schrittweise vom Morphin entwöhnt, was zwar mit Entzugserscheinungen einherging, jedoch innerhalb eines Monats gelang.
Anschließend begann die Behandlung mit einem Cannabisprodukt zur Inhalation im Verhältnis CBD:THC = 2:1. Bereits nach wenigen Wochen berichtete Frau Meier, dass ihre Schmerzen von 8 auf 2 von 10 gesunken seien. Sie konnte die kurzwirksamen Opioide vollständig absetzen und gab an, keine Nebenwirkungen durch das medizinische Cannabis zu verspüren.
Auch nach 6 Monaten zeigte sich weiterhin eine stabile und ausgeprägte Schmerzlinderung. Ein Urintest bestätigte: keine Opiate mehr nachweisbar, jedoch Cannabis.
Diskussion von medizinischem Cannabis als Teil der Schmerztherapie
Prof. Caldera betont, dass der Einsatz von Opioiden bei chronischen Schmerzen stark zugenommen habe, obwohl deren langfristiger Nutzen kritisch zu bewerten sei. Medizinisches Cannabis könne insbesondere dann sinnvoll sein, wenn etablierte Therapieoptionen keine ausreichende Wirkung zeigen.
Er hebt hervor, dass es keine pauschale Lösung gebe: Dosis, Zusammensetzung und Applikationsform müssten individuell angepasst werden. Gleichzeitig weist er auf potenzielle Risiken und Nebenwirkungen hin, insbesondere bei jungen Patient:innen oder bei abruptem Absetzen.
Fazit
Chronische Schmerzen gehören zu den Erkrankungen, die mit Cannabis behandelt werden können. Medizinisches Cannabis hat das Potenzial, wirksame Schmerzlinderung zu bieten und den Einsatz von Opioiden zu reduzieren.
Es ist jedoch kein Schmerzmittel der ersten Wahl und sollte ausschließlich individuell geprüft und ärztlich begleitet eingesetzt werden. Gerade im Vergleich zu starken Opioiden kann das Nebenwirkungsprofil von Cannabis als vorteilhaft angesehen werden.









