Cannabis und Empathie

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28 Jan 2026

Cannabis und Empathie

Mit der zunehmenden Nutzung von Cannabis rückt nicht nur die körperliche, sondern auch die soziale und emotionale Wirkung der Pflanze stärker in den Fokus der Forschung. Besonders interessant ist dabei die Frage, ob medizinisches Cannabis das Empathievermögen beeinflussen und somit zwischenmenschliches Verständnis fördern kann.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Studien zeigen Hinweise, dass medizinisches Cannabis das Empathievermögen steigern kann
  • Veränderte Gehirnaktivität im emotionalen Zentrum (ACC) könnte diesen Effekt erklären
  • Soziale Beziehungen und zwischenmenschliches Verständnis könnten davon profitieren

Cannabis und Empathie: Ein Potenzial für zwischenmenschliches Verständnis?

Mit der zunehmenden Verbreitung von Cannabis, sowohl im medizinischen Bereich als auch im Freizeitgebrauch, richtet sich das Interesse der Wissenschaft verstärkt auf die Frage, welche Auswirkungen die Einnahme auf soziale und emotionale Fähigkeiten hat. Ein besonders spannendes Forschungsfeld untersucht, wie Cannabis das Empathievermögen beeinflusst, also die Fähigkeit,

  • sich in die Gefühle anderer hineinzuversetzen
  • und angemessen darauf zu reagieren.

Empathie ist eine zentrale Eigenschaft für zwischenmenschliche Beziehungen. Eine aktuelle Studie liefert Hinweise darauf, dass medizinisches Cannabis die Empathiefähigkeit von Patient:innen positiv beeinflussen kann. Die Teilnehmenden waren offenbar besser in der Lage, Emotionen anderer zu erkennen und zu verstehen, was soziale Interaktionen erleichtern kann.

Die Rolle des Gehirns: Verstärkte Konnektivität durch Cannabis

Ein zentraler Aspekt der Studie war die Untersuchung der funktionalen Konnektivität im Gehirn. Besonders im Bereich des anterioren cingulären Kortex (ACC), einem Areal, das an der Emotionsverarbeitung und empathischen Reaktion beteiligt ist, zeigte sich eine erhöhte Aktivität.

Diese gesteigerte Konnektivität könnte erklären, warum Cannabis das emotionale Verständnis fördern kann. Entgegen früheren Annahmen fanden sich keine Hinweise auf emotionale Defizite durch medizinisches Cannabis. Im Gegenteil: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Cannabis das soziale Miteinander stärken könnte.

Empathie in Freundschaften: Der Schlüssel zu starken Verbindungen

Empathie ist ein Grundpfeiler stabiler Freundschaften. Sie ermöglicht gegenseitiges Verständnis, Unterstützung und Vertrauen, besonders in belastenden Lebenssituationen. Wenn medizinisches Cannabis das Empathievermögen tatsächlich steigert, könnte dies dazu beitragen, emotionale Bindungen zu vertiefen und sensibler auf die Bedürfnisse anderer zu reagieren.

Gerade in einer Gesellschaft, in der sich viele Menschen isoliert fühlen, könnte eine gestärkte Empathie helfen, soziale Verbindungen zu erhalten und zu intensivieren.

Empathie in sozial relevanten Bereichen

Empathie spielt auch in vielen gesellschaftlich wichtigen Bereichen eine zentrale Rolle:

  • Gesundheitswesen: verbessert die Patientenversorgung
  • Psychotherapie: erleichtert das Verständnis emotionaler Belastungen
  • Bildung: hilft Lehrkräften, besser auf Schüler einzugehen
  • Konfliktlösung: fördert Verständigung und Vermittlung
  • Altenpflege: stärkt emotionale und körperliche Unterstützung
  • Soziale Gerechtigkeit: trägt zum Abbau von Vorurteilen bei

Eine mögliche Steigerung des Empathievermögens durch Cannabis könnte daher weitreichende gesellschaftliche Effekte haben.

Cannabis und die Stärkung sozialer Bindungen

Die Annahme, dass Cannabis Empathie fördern kann, wirft spannende Fragen auf. Denkbar wäre ein positiver Einfluss in sozialen Kontexten, etwa bei Gesprächen oder Konfliktbewältigung. Gleichzeitig hängt die Wirkung von Faktoren wie Dosierung, Häufigkeit und individueller Reaktion ab.

Moderater Konsum könnte förderlich sein, während exzessiver Konsum möglicherweise gegenteilige Effekte zeigt. Auch Langzeitwirkungen sind noch nicht abschließend erforscht.

Fazit

Die Studie deutet darauf hin, dass medizinisches Cannabis das Empathievermögen positiv beeinflussen kann. Besonders in sozialen Interaktionen könnte dies zu mehr Verständnis und Einfühlungsvermögen führen. Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven, machen aber auch deutlich: Weitere Forschung ist notwendig, um diese Effekte langfristig und klinisch einzuordnen.

Quellenangaben

Olalde‐Mathieu, V. E., Atilano‐Barbosa, D., Angulo‐Perkins, A., Licea‐Haquet, G. L., Dominguez‐Frausto, C. A., Barrios, F. A., & Alcauter, S. (2024). Empathy‐related differences in the anterior cingulate functional connectivity of regular cannabis users when compared to controls. Journal of Neuroscience Research, 102(1), e25252.

Autor

Stefanie Nicolai

Content-Queen

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