Krankheiten die mit Cannabis behandelt werden

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22 Oct 2025

Krankheiten die mit Cannabis behandelt werden

Cannabis wird seit einigen Jahren verstärkt als therapeutische Option diskutiert. Seit der gesetzlichen Regelung im Jahr 2017 kann medizinisches Cannabis unter bestimmten Voraussetzungen ärztlich verordnet werden. Der folgende Text zeigt, bei welchen Erkrankungen Cannabis eingesetzt wird und wie die aktuelle wissenschaftliche Einordnung aussieht.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Rechtlicher Rahmen: Medizinisches Cannabis ist seit 2017 unter bestimmten Bedingungen verschreibungsfähig.
  • Einsatzgebiete: Der Text beschreibt Anwendungen u. a. bei Schmerzen, Migräne, Schlafstörungen und psychischen Erkrankungen.
  • Forschungsstand: Studien zeigen teils positive, teils uneinheitliche Ergebnisse – weiterer Forschungsbedarf besteht.

Bei diesen Krankheiten kann Cannabis helfen

Cannabis kann bei einer Vielzahl von Erkrankungen helfen. Im folgenden Beitrag erfährst du Näheres zu Krankheiten, die mit Cannabis behandelt werden.

Seit 2017 können Ärzte medizinisches Cannabis verschreiben. Voraussetzung hierfür ist, dass der Patient an einer chronischen Erkrankung leidet, bei der herkömmliche Therapien bereits ohne Erfolg durchgeführt worden sind und für die keine andere Behandlung mehr infrage kommt.

Wenn die Behandlung mit medizinischem Cannabis aus nachvollziehbaren Gründen Aussicht auf eine Linderung der Beschwerden verspricht, darf ein entsprechendes Rezept ausgestellt werden. 

Dies ist vor allem bei chronischen Schmerzen, häufig aber auch bei Migräne, Schlafstörungen sowie psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder ADHS der Fall.

Cannabis und chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen sind laut einer US-amerikanischen Studie der Hauptgrund für die Verwendung von medizinischem Cannabis [1]. Zahlreiche Studien haben sich mit der Wirkung von Cannabis auf Schmerzen beschäftigt – mit teilweise positiven, aber auch widersprüchlichen Ergebnissen [2–4].

Ein zentrales Problem ist die mangelnde Vergleichbarkeit der Studien, da unterschiedliche Dosierungen, Darreichungsformen und Messmethoden verwendet werden [5].

Studien zeigen, dass Cannabis die Schmerzschwelle nur geringfügig erhöht und daher kein Analgetikum im klassischen Sinne ist [6]. Vermutet wird unter anderem eine Hemmung der Schmerzsignalübertragung oder eine veränderte Wahrnehmung der Schmerzen [7].

Als mögliche Einsatzgebiete nennt die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. vor allem neuropathische Schmerzen und Muskelverkrampfungen bei Multipler Sklerose [8].

Cannabis und Migräne

Studien zeigen, dass medizinisches Cannabis die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen verringern kann [9]. Patient:innen berichten von einer Reduktion der Schmerzintensität um etwa 50 % bei Inhalation [10].

Die Wirkung kann jedoch nachlassen, was zu einer Dosiserhöhung führt. Überdosierungen können wiederum Folgekopfschmerzen verursachen [11]. Deshalb wird empfohlen, mit niedrigen Dosierungen zu beginnen und diese vorsichtig anzupassen.

Cannabis und Schlafstörungen

Schlafstörungen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Cannabis gilt grundsätzlich als schlaffördernd, was vor allem auf THC zurückgeführt wird. Während CBD eher aktivierend wirkt, kann THC einen sedierenden Effekt haben und das Einschlafen erleichtern [12].

Die Einnahmezeit spielt eine wichtige Rolle. Fachleute empfehlen eine Einnahme mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen. Wirkung und Verträglichkeit sind individuell unterschiedlich und werden ärztlich beurteilt.

Cannabis und Angststörungen oder Depressionen

Die Studienlage zu Angststörungen und Depressionen ist uneinheitlich. THC zeigt kurzfristig keine akuten Effekte auf Angst [13], kann bei langfristiger Anwendung jedoch zu einer Verringerung beitragen [14].

Bei Depressionen scheinen vor allem niedrige THC- und CBD-Konzentrationen relevant zu sein [15]. Insbesondere CBD wird mit antidepressiven Effekten in Verbindung gebracht [16].

Eine aktuelle Studie zeigt Zusammenhänge zwischen Cannabiskonsum, verbessertem Schlaf, weniger Schmerzen sowie reduzierter Angst- und Depressionssymptomatik [17].

Cannabis und ADHS

ADHS ist gekennzeichnet durch Aufmerksamkeitsprobleme, Impulsivität und häufig Hyperaktivität. Erfahrungsberichte Erwachsener deuten auf mögliche Effekte von Cannabis auf diese Symptome hin [18].

Einzelne Studien und Fallberichte beschreiben u. a. eine Verbesserung der Frustrationstoleranz, eine Reduktion von Wutausbrüchen sowie eine Linderung von Konzentrationsproblemen [19, 20].

Wichtig: Diese Beobachtungen beziehen sich ausschließlich auf Erwachsene. Bei Kindern und Jugendlichen kann Cannabis die Hirnentwicklung beeinträchtigen, weshalb eine Anwendung vor dem 25. Lebensjahr nur in Ausnahmefällen und unter strenger ärztlicher Begleitung erfolgt [21].

Quellenangaben

[1] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30014038/ 

 

[2] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK574562/ 

 

[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32804833/ 

 

[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32804836/ 

 

[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34590094/ 

 

[6] https://www.aerzteblatt.de/blog/98040/Kann-Cannabis-Schmerzen-wirklich-lindern 

 

[7] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30422266/ 

 

[8] https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/aktuelles/cannabis -in-der-schmerzbehandlung  

 

[9] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26749285/ 

 

[10] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31715263/ 

 

[11] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34370866/ 

 

[12] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15118485/ 

 

[13] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/6117576/ 

 

[14] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/6117575/ 

 

[15] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29656267/ 

 

[16] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31039391/ 

 

[17] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34566726/ 

 

[18] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27227537/ 

 

[19] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28576350/ 

 

[20] https://www.karger.com/Article/FullText/495307 

 

[21] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23992650/ 

 

Autor

Christian Paffhausen

Head of Marketing

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