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Medizinisches Cannabis bei Nervenschmerzen

Medizinisches Cannabis bei Nervenschmerzen

Neuropathische Schmerzen unterscheiden sich deutlich von vielen anderen Schmerzformen. Sie entstehen nicht durch eine Verletzung von Muskeln oder Gelenken, sondern durch eine Schädigung oder Fehlfunktion der Nerven selbst. Für Betroffene bedeutet das oft eine erhebliche Belastung im Alltag – besonders dann, wenn die Beschwerden dauerhaft bestehen oder auf herkömmliche Schmerzmittel nur unzureichend ansprechen.

Die Behandlung neuropathischer Schmerzen umfasst unterschiedliche Ansätze. Dazu gehören beispielsweise spezielle Medikamente wie Antikonvulsiva oder Antidepressiva, Physiotherapie sowie weitere schmerztherapeutische Verfahren. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichend helfen oder mit belastenden Nebenwirkungen verbunden sind, kann medizinisches Cannabis als ergänzende Therapieoption in Betracht gezogen werden.

Ziel einer ärztlich begleiteten Cannabis-Therapie ist es, die Schmerzintensität zu reduzieren, die Schlafqualität zu verbessern und die Lebensqualität nachhaltig zu unterstützen.

❓ Was sind neuropathische Schmerzen?

Neuropathische Schmerzen entstehen durch eine Schädigung oder Fehlfunktion des Nervensystems. Die betroffenen Nerven senden Schmerzsignale, obwohl kein äußerer Reiz oder keine akute Verletzung vorliegt.

Typische Beschwerden sind:

  • Brennende Schmerzen
  • Elektrisierende oder einschießende Schmerzattacken
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle
  • Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen
  • Schlafstörungen durch nächtliche Schmerzen

Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Diabetische Polyneuropathie
  • Nervenschäden nach Gürtelrose (Post-Zoster-Neuralgie)
  • Trigeminusneuralgie
  • Ischias-bedingte Nervenschmerzen
  • Nervenschäden nach Operationen oder Verletzungen
  • Phantomschmerzen nach Amputationen

Da sich neuropathische Schmerzen häufig deutlich von klassischen Entzündungsschmerzen unterscheiden, erfordern sie oft spezielle therapeutische Strategien.³

🌿 Kann Cannabis bei Nervenschmerzen helfen?

Neuropathische Schmerzen gehören zu den Bereichen, in denen medizinisches Cannabis am intensivsten untersucht wurde.

Cannabinoide interagieren mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System, das an der Regulation von Schmerzsignalen beteiligt ist. Dabei befinden sich Cannabinoid-Rezeptoren sowohl im Rückenmark als auch in schmerzverarbeitenden Regionen des Gehirns.

Im Rahmen einer ärztlich begleiteten Therapie kann Cannabis dazu beitragen:

  • die Weiterleitung von Schmerzsignalen zu modulieren
  • Schmerzspitzen abzuschwächen
  • die subjektive Schmerzbelastung zu reduzieren
  • die Schlafqualität zu verbessern
  • die allgemeine Lebensqualität zu fördern

Wichtig ist jedoch: Cannabis beseitigt die zugrunde liegende Nervenschädigung nicht. Die Behandlung zielt auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Funktionsfähigkeit im Alltag ab.

🧪 THC und CBD bei Nervenschmerzen

Bei neuropathischen Schmerzen spielt insbesondere THC (Tetrahydrocannabinol) eine wichtige Rolle. THC bindet an CB1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem und kann:

  • die Schmerzweiterleitung beeinflussen
  • die Schmerzintensität reduzieren
  • die emotionale Belastung durch chronische Schmerzen verringern
  • die Nachtruhe verbessern

Gerade bei schwer behandelbaren Nervenschmerzen berichten viele Patient:innen über eine deutliche Erleichterung im Alltag.

CBD (Cannabidiol) wird vor allem aufgrund seiner potenziell entzündungsmodulierenden und neuroprotektiven Eigenschaften untersucht. Die stärkste klinische Evidenz bei neuropathischen Schmerzen liegt derzeit jedoch für THC-haltige Cannabisarzneimittel beziehungsweise kombinierte THC/CBD-Präparate vor.¹

🎓 Was sagt die Forschung zu Cannabis bei Nervenschmerzen?

Neuropathische Schmerzen gehören zu den am besten untersuchten Anwendungsgebieten von Cannabinoiden in der Schmerzmedizin.

Gute Evidenz für chronische Nervenschmerzen

Systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen zeigen, dass Cannabinoide bei vielen Patient:innen zu einer relevanten Reduktion der Schmerzintensität beitragen können.¹

Verbesserter Schlaf

Viele Betroffene berichten nicht nur über weniger Schmerzen, sondern auch über eine bessere Schlafqualität und weniger nächtliche Schmerzattacken.⁴

Unterstützung bei therapieresistenten Verläufen

Besonders interessant ist Cannabis für Patient:innen, die auf etablierte Medikamente wie Gabapentin, Pregabalin oder bestimmte Antidepressiva nicht ausreichend ansprechen oder diese nicht vertragen.³

Mögliche Reduktion anderer Schmerzmedikamente

Einige Studien weisen darauf hin, dass Cannabis den Bedarf an weiteren Schmerzmitteln reduzieren könnte. Die Datenlage hierzu wird aktuell weiter untersucht.²

⚠️ Nebenwirkungen und Risiken

Wie jede medikamentöse Therapie kann auch medizinisches Cannabis Nebenwirkungen verursachen.

Mögliche Begleiterscheinungen sind:

  • Müdigkeit
  • Mundtrockenheit
  • Schwindel
  • Konzentrationsstörungen
  • Veränderungen des Appetits

In seltenen Fällen können Unruhe oder vorübergehende Kreislaufbeschwerden auftreten.

Die Therapie erfolgt deshalb üblicherweise nach dem Prinzip:

„Start low, go slow“

Die Dosierung wird schrittweise angepasst, um eine möglichst gute Wirksamkeit bei gleichzeitig guter Verträglichkeit zu erreichen.

📄 So erhältst du medizinisches Cannabis bei Nervenschmerzen

Ob medizinisches Cannabis für deine Beschwerden infrage kommt, wird individuell ärztlich geprüft.

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Beschreibe deine Beschwerden, Diagnosen und bisherigen Behandlungen.

Ärztliche Prüfung & Erstgespräch

Ein qualifizierter Kooperationsarzt bewertet deine Angaben und bespricht mögliche Therapieoptionen.

Individuelle Therapieplanung

Bei entsprechender Eignung wird ein persönlicher Behandlungsplan erstellt.

Rezept & Versorgung

Nach ärztlicher Entscheidung kann ein elektronisches Rezept ausgestellt und an eine Apotheke übermittelt werden.

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❓ FAQ zu Cannabis bei Nervenschmerzen

Hilft Cannabis bei Trigeminusneuralgie?

Cannabis kann bei bestimmten Patient:innen als ergänzende Therapieoption eingesetzt werden, insbesondere wenn etablierte Behandlungen keine ausreichende Linderung bringen. Ob dies in deinem Fall sinnvoll ist, sollte individuell ärztlich geprüft werden.

Wie schnell wirkt Cannabis bei Nervenschmerzen?

Das hängt von der Darreichungsform ab. Inhalative Anwendungen wirken meist innerhalb weniger Minuten, während orale Extrakte verzögert einsetzen, dafür aber häufig länger anhalten.

Ist CBD allein ausreichend?

Bei neuropathischen Schmerzen zeigen THC-haltige oder kombinierte THC/CBD-Präparate derzeit die stärkste Evidenz. Ob CBD allein sinnvoll ist, hängt vom individuellen Beschwerdebild ab.

Kann Cannabis andere Schmerzmittel ersetzen?

Nicht zwangsläufig. In einigen Fällen kann die Therapie dazu beitragen, andere Medikamente zu reduzieren. Dies sollte jedoch ausschließlich unter ärztlicher Begleitung erfolgen.

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Quellen:

¹ Mücke, M., Phillips, T., Radbruch, L., Petzke, F., & Häuser, W. (2018).
Cannabis-based medicines for chronic neuropathic pain in adults.
Cochrane Database of Systematic Reviews. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29513392/

² Wilsey, B., Marcotte, T., Deutsch, R., Gouaux, B., Sakai, S., & Donaghe, H. (2013).
Low-dose vaporized cannabis significantly improves neuropathic pain.
Journal of Pain.https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23237736/

³ S2k-Leitlinie Diagnostik und nicht-interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Neurologie.
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-114

⁴ Petzke, F., Enax-Krumova, E. K., & Häuser, W. (2017).
Cannabinoide in der Schmerzmedizin. Der Schmerz.
https://api.aerzteblatt.de/pdf/114/38/m627.pdf