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Medizinisches Cannabis bei Spastik

Wenn Muskeln dauerhaft angespannt sind, Bewegungen schmerzhaft werden und selbst alltägliche Aufgaben zunehmend Kraft kosten, kann Spastik die Lebensqualität erheblich einschränken. Viele Betroffene kennen das Gefühl, gegen den eigenen Körper arbeiten zu müssen – sei es beim Gehen, Greifen, Anziehen oder Schlafen.

Zur Behandlung von Spastik kommen je nach Ursache verschiedene Therapieformen infrage. Dazu zählen Physiotherapie, Ergotherapie, Medikamente wie Baclofen oder Tizanidin sowie in bestimmten Fällen Botulinumtoxin-Injektionen. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichend wirken oder mit belastenden Nebenwirkungen verbunden sind, kann medizinisches Cannabis als ergänzende Therapieoption ärztlich geprüft werden.

Besonders bei Spastik infolge neurologischer Erkrankungen wie Multipler Sklerose liegen mittlerweile wissenschaftliche Daten vor, die auf eine mögliche Verbesserung von Muskelsteifigkeit, Krämpfen und Lebensqualität hinweisen.

📌 Das Wichtigste auf einen Blick

Muskelsteifigkeit gezielt reduzieren

Cannabinoide können auf Signalwege im zentralen Nervensystem wirken, die an der Entstehung von Spastik beteiligt sind. Dadurch kann sich der erhöhte Muskeltonus bei manchen Patient:innen verringern.

Schmerzhafte Krämpfe lindern

Viele Betroffene berichten von weniger schmerzhaften Muskelkrämpfen und einer besseren Kontrolle über unwillkürliche Bewegungen.

Schlaf und Erholung fördern

Da Spastiken häufig nachts auftreten, kann eine Verbesserung der Schlafqualität einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität leisten.

Ergänzung bestehender Therapien

Medizinisches Cannabis ersetzt etablierte Behandlungen nicht, kann aber in bestimmten Fällen eine sinnvolle Ergänzung darstellen.

❓ Was ist Spastik?

Spastik bezeichnet eine krankhaft erhöhte Muskelspannung, die durch eine Schädigung des zentralen Nervensystems entsteht. Die Muskulatur ist dabei dauerhaft angespannt und reagiert häufig übermäßig auf Bewegungsreize.

Spastiken treten häufig im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen auf, darunter:

  • Multiple Sklerose (MS)
  • Schlaganfall
  • Querschnittlähmung
  • Zerebralparese
  • Schädel-Hirn-Traumata

Je nach Ursache und Ausprägung können die Beschwerden sehr unterschiedlich sein.

Typische Symptome sind:

  • Muskelsteifigkeit
  • Unkontrollierte Muskelkrämpfe
  • Schmerzhafte Einschussspasmen
  • Bewegungseinschränkungen
  • Gangstörungen
  • Schlafprobleme durch nächtliche Krämpfe
  • Chronische Schmerzen

🌿 Kann medizinisches Cannabis bei Spastik helfen?

Die Behandlung von Spastik zielt darauf ab, Beweglichkeit zu erhalten, Schmerzen zu reduzieren und den Alltag zu erleichtern.

Das körpereigene Endocannabinoid-System spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Muskelaktivität und Bewegungsabläufen. Cannabinoide können mit Rezeptoren im Nervensystem interagieren und dadurch bestimmte neurologische Signalwege beeinflussen.

In Studien wurden insbesondere folgende Effekte untersucht:

  • Verringerung der subjektiv wahrgenommenen Spastik
  • Reduktion schmerzhafter Muskelkrämpfe
  • Verbesserung der Schlafqualität
  • Steigerung der allgemeinen Lebensqualität
  • Unterstützung der Mobilität im Alltag

Wichtig ist jedoch: Nicht alle Patient:innen sprechen gleichermaßen auf eine Cannabis-Therapie an. Ob eine Behandlung infrage kommt, sollte immer individuell ärztlich geprüft werden.

🧪 THC und CBD bei Spastik

Die beiden bekanntesten Cannabinoide sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol).

THC bei Spastik

THC gilt als der wichtigste Wirkstoff bei der Behandlung spastischer Beschwerden. Es wirkt auf Rezeptoren im zentralen Nervensystem, die an der Regulation von Muskelspannung beteiligt sind.

Untersucht werden unter anderem mögliche Effekte auf:

  • Muskelsteifigkeit
  • Spastische Krämpfe
  • Schmerzen
  • Schlafqualität

CBD als ergänzender Wirkstoff

CBD wird häufig ergänzend eingesetzt. Es besitzt selbst keine berauschende Wirkung und kann dazu beitragen, die Verträglichkeit einer THC-basierten Therapie zu unterstützen.

Welche Wirkstoffkombination sinnvoll sein kann, hängt von der Ursache der Spastik, den Begleitsymptomen und den individuellen Therapiezielen ab.

🎓 Was sagt die Forschung?

Spastik zählt zu den am besten untersuchten Anwendungsgebieten von medizinischem Cannabis.

Besonders umfangreich ist die Datenlage bei Multipler Sklerose.

Positive Ergebnisse bei MS-bedingter Spastik

Mehrere klinische Studien zeigen, dass THC/CBD-Kombinationen die subjektiv empfundene Spastik bei vielen Patient:innen verbessern können. Besonders Menschen, die auf klassische Antispastika nicht ausreichend angesprochen haben, berichteten von einer spürbaren Entlastung.

Verbesserte Lebensqualität

Neben der Muskelspannung werden häufig auch Schlafqualität, Schmerzbelastung und allgemeines Wohlbefinden positiv beeinflusst.

Langzeitdaten aus der Praxis

Real-World-Studien zeigen, dass die positiven Effekte bei vielen Patient:innen über längere Zeiträume stabil bleiben können.

Grenzen der Forschung

Nicht alle Studien zeigen identische Ergebnisse. Während viele Betroffene subjektiv deutliche Verbesserungen wahrnehmen, fallen objektive neurologische Messwerte teilweise weniger eindeutig aus. Deshalb sollte eine Cannabis-Therapie immer individuell bewertet werden.

⚠️ Risiken und Nebenwirkungen

Wie jedes verschreibungspflichtige Arzneimittel kann auch medizinisches Cannabis Nebenwirkungen verursachen.

Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Mundtrockenheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Veränderungen des Appetits

Insbesondere zu Beginn der Behandlung erfolgt die Dosierung deshalb schrittweise und unter ärztlicher Begleitung.

Auch mögliche Auswirkungen auf Fahrtüchtigkeit, Beruf und Alltag sollten individuell besprochen werden.

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Digitale Versorgung

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❓ FAQ zu Cannabis bei Spastik

Kann medizinisches Cannabis bei Multipler Sklerose und Spastik helfen?

Bei MS-bedingter Spastik gehört medizinisches Cannabis zu den am besten untersuchten Anwendungsgebieten. Studien zeigen, dass bestimmte THC/CBD-Präparate die subjektiv wahrgenommene Muskelsteifigkeit und Lebensqualität verbessern können.

Wird Cannabis anstelle von Baclofen eingesetzt?

Nicht unbedingt. Häufig wird medizinisches Cannabis ergänzend eingesetzt, wenn etablierte Medikamente nicht ausreichend wirken oder nicht gut vertragen werden.

Hilft CBD allein gegen Spastik?

Die wissenschaftliche Evidenz bezieht sich überwiegend auf THC-haltige oder THC/CBD-kombinierte Präparate. Ob CBD allein sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab.

Welche Erkrankungen können mit Spastik verbunden sein?

Spastiken treten häufig bei Multipler Sklerose, Schlaganfall, Querschnittlähmung oder Zerebralparese auf.

Kann medizinisches Cannabis die Ursache der Spastik behandeln?

Nein. Die Behandlung richtet sich auf die Symptome. Ziel ist es, Muskelsteifigkeit, Krämpfe, Schmerzen und Einschränkungen im Alltag zu reduzieren.

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Quellenhinweise:

¹ S2k-Leitlinie (Update 2024/2025): Aktueller klinischer Standard für die neurologische Behandlung in Deutschland. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-078 

² Nielsen, S., et al. (2019): Systematischer Review zur Wirksamkeit von Cannabinoiden bei muskulärer Hypertonie. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1877065718314799 

³ Cochane (2022). Filippini G, Minozzi S, Borrelli F, Cinquini M, Dwan K: Cannabis und Cannabinoide für Menschen mit Multipler Sklerose. https://www.cochrane.org/de/evidence/CD013444_cannabis-and-cannabinoids-people-multiple-sclerosis 

Zettl, U. K., Rommer, P., Hipp, P., & Patejdl, R. (2016). Evidence for the efficacy and effectiveness of THC-CBD oromucosal spray in symptom management of patients with spasticity due to multiple sclerosis. Therapeutic advances in neurological disorders, 9(1), 9–30. https://doi.org/10.1177/1756285615612659 

Patti, F., Chisari, C. G., Fernández, Ó., Sarroca, J., Ferrer-Picón, E., Hernández Vicente, F., & Vila Silván, C. (2022). A real-world evidence study of nabiximols in multiple sclerosis patients with resistant spasticity: Analysis in relation to the newly described 'spasticity-plus syndrome'. European journal of neurology, 29(9), 2744–2753. https://doi.org/10.1111/ene.15412

Francois A. Bethoux, Rachel Farrell, Daniel Checketts, Natasha Sahr, Joris Berwaerts, Jessica K. Alexander, Franck Skobieranda. Multiple Sclerosis and Related Disorders. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2211034824003171