Wann ist eine Cannabistherapie sinnvoll und welche Möglichkeiten bietet sie?

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11 Aug 2025

Wann ist eine Cannabistherapie sinnvoll und welche Möglichkeiten bietet sie?

Die Reaktionen auf das Stichwort Cannabistherapie sind in Deutschland noch immer zwiegespalten. Während Befürworter:innen medizinisches Cannabis als Allheilmittel preisen, verteufeln Gegner:innen Cannabis weiterhin als Droge. Wer allerdings über die Therapiemöglichkeiten durch Cannabis spricht, sollte politische Positionen zunächst einmal aus dem Bilde lassen.

In diesem Artikel geben wir einen Überblick darüber, wer sich Cannabis vom Arzt verschreiben lassen kann, welche Krankheitsbilder erfolgreich mit Cannabis behandelt werden und wo Betroffene einen Cannabis Arzt ihres Vertrauens finden können.

Das Wichtigste im Überblick

  • Cannabis kann bei einer Vielzahl von chronischen Krankheiten und Gesundheitszuständen eingesetzt werden, für die konventionelle Therapien bei den Betroffenen nur wenig oder keine Erfolge erzielten. Dazu gehören unter anderem chronische Schmerzen, Depressionen, Migräne, Schlafstörungen und Endometriose.
  • Eine Cannabistherapie hat im Vergleich zu einer Schmerztherapie mit Opioiden oder Opiaten deutlich weniger und geringere Nebenwirkungen. Letztere treten meist ausschließlich zu Therapiebeginn auf.
  • In Deutschland muss medizinisches Cannabis vom Arzt verschrieben werden. Bisher sind allerdings nur wenige Haus- oder Fachärzte auf die Behandlung mit medizinischem Cannabis spezialisiert. Die telemedizinische Plattform von Bloomwell löst dieses Problem und macht es Betroffenen ganz einfach, ihren Cannabis-Arzt des Vertrauens zu finden.

Was versteht man unter Cannabistherapie?

Werden Cannabisarzneimittel auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung verschrieben, sind Ärztinnen und Ärzte verpflichtet, über die Anwendung Bericht zu erstatten. Die Ergebnisse dieser sogenannten Cannabisbegleiterhebung zeigen, dass eine Behandlung mit medizinischem Cannabis in Deutschland eines oder mehrere der folgenden Medikamente umfasst [1]:

  • Dronabinol – reines Tetrahydrocannabinol (THC)
  • Cannabisblüten – mit THC und CBD
  • Sativex® – ein Stoffgemisch aus THC und CBD
  • Cannabisextrakte – auf definierte THC- und CBD-Gehalte eingestellt

In den ersten Jahren nach der Zulassung wurden bevorzugt Cannabisblüten mit einem THC-Gehalt über 20 % verschrieben. Bei der Mehrzahl der Patient:innen wurden Dosierung, Sorte und Anwendungsform im Therapieverlauf angepasst.

Die Aufnahme erfolgt meist über die Atemwege. Verdampfen, Inhalation oder Vaporizer gelten als gesundheitsschonend und verlässlich.

Bei welchen Krankheitsbildern wird medizinisches Cannabis eingesetzt?

Laut einer 2021 veröffentlichten Auswertung der Cannabisbegleiterhebung waren:

  • 73 % Schmerzpatient:innen
  • 10 % Patient:innen mit Spastik
  • 6 % Patient:innen mit Anorexie oder Wasting [1]

Da Cannabis auf das Endocannabinoid-System wirkt, kann es sowohl körperliche als auch psychische Symptome beeinflussen. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin nennt unter anderem folgende Indikationen:

Cannabistherapie in der Schmerzbehandlung

Studien zeigen, dass Cannabinoide Schmerzen lindern und Muskelkrämpfe reduzieren können. Eine 2016 veröffentlichte Untersuchung legte nahe, dass medizinisches Cannabis eine Alternative zu Opiaten sein kann [2].

Besonders relevant ist dies für Patient:innen mit Multimedikationen und starken Nebenwirkungen, da Cannabis entweder ersetzend oder ergänzend eingesetzt werden kann.

Weitere Einsatzbereiche der Cannabistherapie

Migräne

Medizinisches Cannabis kann laut neueren Erkenntnissen Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren. Besonders Indica- und Hybrid-Genetiken werden als schmerzlindernd beschrieben.

Depressionen

Wenn klassische Antidepressiva nicht ausreichend wirken, können CBD und THC stimmungsstabilisierend eingesetzt werden. Studien zeigen, dass CBD an Serotonin-Rezeptoren bindet und antidepressiv wirken kann [3].

Schlafstörungen

Im Gegensatz zu vielen Hypnotika kann medizinisches Cannabis Ein- und Durchschlafen verbessern, ohne den Folgetag stark zu beeinträchtigen. Gleichzeitig kann es das Stressniveau senken.

Endometriose

Studien zeigen, dass Cannabis Schmerzen, gastrointestinale Beschwerden, Ängste und Schlafstörungen lindern kann [4]. Damit stellt es eine schonendere Alternative zu hormonellen oder operativen Eingriffen dar.

Wer bekommt Cannabis vom Arzt verschrieben?

Seit 2017 darf medizinisches Cannabis verordnet werden, wenn:

  • keine geeignete Standardtherapie existiert oder

  • konventionelle Behandlungen nicht wirksam oder nicht zumutbar sind

In der Praxis betrifft dies häufig schwer oder chronisch erkrankte Patient:innen. Die Studienlage zu Dosierung und Indikationen ist trotz Fortschritten weiterhin im Aufbau.

Cannabisarzneimittel und Stigmatisierung

Cannabis mit über 0,2 % THC gilt rechtlich weiterhin als Betäubungsmittel. Ein unkontrollierter Konsum kann Abhängigkeit und psychische Risiken bergen – medizinische Anwendung ist davon klar zu unterscheiden.

Dennoch bestehen Vorurteile, auch im medizinischen Umfeld. Viele Ärzt:innen zögern aufgrund von Haftungsfragen, Zeitaufwand oder fehlender Erfahrung.

Cannabisblüten auf Rezept – welcher Arzt?

Der Zugang zur Cannabistherapie ist oft schwierig. Bloomwell unterstützt Patient:innen dabei, einen strukturierten und evidenzbasierten Zugang zu erhalten:

  • Kostenloses medizinisches Screening von zu Hause
  • Sprechstunde mit Cannabis-Spezialist:innen an 17 Standorten
  • Keine Kosten bis zum Therapiebeginn

Die Behandlung erfolgt ärztlich begleitet, individuell und evidenzbasiert.

Fazit

Die Evidenz zur Cannabistherapie wächst stetig. Besonders bei chronischen Schmerzen, Spastik und neuropathischen Beschwerden zeigt medizinisches Cannabis eine symptomlindernde Wirkung. Schwere Nebenwirkungen sind selten, eine Überlegenheit einzelner Präparate bislang nicht belegt. Entscheidend bleibt die individuelle ärztliche Begleitung.

Quellenangaben

[1] Schmidt-Wolf, G. & Cremer-Schaeffer, P. (2021). 3 Jahre Cannabis als Medizin – Zwischenergebnisse der Cannabisbegleiterhebung. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 64, 368–377 (2021). https://doi.org/10.1007/s00103-021-03285-1

 

[2] Boehnke, K. F., Litinas, E., Clauw, D. J. (2016). Medical Cannabis Use Is Associated With Decreased Opiate Medication Use in a Retrospective Cross-Sectional Survey of Patients With Chronic Pain. National Library of Medicine, 17(6), 739-44.

 

[3] Sales, A. J., Crestani, C. C., Guimarães, F. S., & Joca, S. R. (2018). Antidepressant-like effect induced by Cannabidiol is dependent on brain serotonin levels. Progress in Neuro-Psychopharmacology and Biological Psychiatry, 86, 255-261.

 

[4] Sinclair, J., Smith, C. A., Abbott, J., Chalmers, K. J., Pate, D. W., & Armour, M. (2020). Cannabis use, a self-management strategy among Australian women with endometriosis: results from a national online survey. Journal of Obstetrics and Gynaecology Canada, 42(3), 256-261.

 

Autor

Christian Paffhausen

Head of Marketing

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