Medizinisches Cannabis statt Skalpell – neue Perspektiven für die Darmgesundheit!

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31 Mar 2025

Medizinisches Cannabis statt Skalpell – neue Perspektiven für die Darmgesundheit!

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Reizdarm oder Colitis ulcerosa gehen häufig mit starken Einschränkungen im Alltag einher. Neben etablierten medikamentösen Therapien rückt medizinisches Cannabis zunehmend in den Fokus von Forschung und Versorgung.

Der folgende Beitrag verbindet Patientenerfahrungen mit wissenschaftlichen Studien und beleuchtet den aktuellen Stand zur Anwendung von medizinischem Cannabis bei chronischen Darmerkrankungen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Patientenbericht: Ein Morbus-Crohn-Betroffener schildert seine Erfahrungen mit medizinischem Cannabis im Alltag.

  • Studienlage: Mehrere Untersuchungen analysieren Zusammenhänge zwischen Cannabis-Therapie, Symptomentwicklung und Folgebehandlungen.

  • Patientenzufriedenheit: Erhebungen zeigen eine hohe Weiterempfehlungsrate bei Anwendern mit chronischen Darmerkrankungen.

Patientenbericht: Leben mit Morbus Crohn

Frankfurt/Main, 7. April 2022 – Zum Osterfest stehen bei vielen Menschen wieder deftige Leckereien weit oben auf dem Speiseplan – die Fastenzeit hat endlich ein Ende. Und die sonnigen Frühlingstage laden zum Grillen mit Familie und Freunden ein. Eine Zeit, auf die sich die meisten nach einem langen Winter besonders freuen.

Für Dominik B. (29) aus Bielefeld waren solche schönen Stunden aber viele Jahre eine schwere Belastung. Aufgrund seiner Darmerkrankung litt er bei jeder Mahlzeit unter Schmerzen, aß oft nur so viel wie nötig und hatte regelmäßig mit Krämpfen und Durchfällen zu kämpfen. Eine Therapie mit medizinischem Cannabis konnte ihm Linderung verschaffen und seine Lebensqualität verbessern.

Krankheitsverlauf und bisherige Therapien

Erste massive Beschwerden beobachtete Dominik B. als Jugendlicher. Schon während seiner Berufsausbildung plagten ihn Schmerzen und Durchfälle, die ihn im Alltag stark beeinträchtigten. Häufig traten auch Gelenkentzündungen auf, sodass er seiner handwerklichen Arbeit kaum noch nachgehen konnte.

Jede Mahlzeit war eine Tortur für mich, jedes Essen hat zu Schmerzattacken geführt“, erzählt er.

2014 wurde er mit hohen Fieberschüben ins Krankenhaus eingeliefert und erhielt die Diagnose Morbus Crohn. Zwar hatte er nun Gewissheit, doch die Medikamentenliste wurde immer länger. Trotz zahlreicher Umstellungen blieb der gewünschte Therapieerfolg aus.

Alltagseinschränkungen und Nebenwirkungen

Durchfälle haben mir im Alltag am meisten zu schaffen gemacht“, erinnert sich Dominik.

Ausflüge mussten nach der Verfügbarkeit von Toiletten geplant werden. Besonders die starken Nebenwirkungen von Kortison belasteten ihn.

Auf der Suche nach Alternativen stieß er auf Studien zur Behandlung von Morbus Crohn mit medizinischem Cannabis. Er entschied sich für einen Therapieversuch – mit positivem Ergebnis.

„Ich habe meine Schmerzen besser im Griff, Kortison ist nicht mehr notwendig. Meine Entzündungswerte haben sich fast normalisiert, ich kann wieder arbeiten, besser schlafen und mein Appetit hat sich positiv entwickelt.“

Medizinische Einordnung

Starke Bauchschmerzen, Krämpfe, Durchfall und Erbrechen beeinträchtigen Betroffene oft massiv“, erklärt Dr. med. Julian Wichmann, Arzt und Geschäftsführer von Bloomwell. Morbus Crohn sei nicht heilbar, in Deutschland seien rund 250.000 Menschen betroffen.

Medizinisches Cannabis könne eine mögliche ergänzende Therapieoption sein, insbesondere, wenn sonst operative Eingriffe drohen.

Studienlage: Cannabis und OP-Risiko

Als alternative Behandlungsoption wird medizinisches Cannabis bei Morbus Crohn seit Jahren erforscht. Eine retrospektive Beobachtungsstudie zeigte, dass sich das Risiko für Folgeoperationen von 38 % auf 13 % reduzierte. Zudem konnte der Einsatz von Steroiden deutlich verringert werden.

Weitere Studien zeigten:

  • höhere Remissionsraten im Vergleich zu Placebo
  • eine verbesserte Lebensqualität
  • einen niedrigeren Morbus-Crohn-Aktivitätsindex

Weitere Anwendungsfelder: Reizdarm und Colitis ulcerosa

Auch beim Reizdarmsyndrom mit rund 1,1 Millionen Betroffenen in Deutschland wurden positive Effekte beobachtet. In einer Kohortenstudie mit 9.393 Patient:innen reduzierte sich bei Cannabis-Anwendung die Zahl endoskopischer Untersuchungen sowie die Dauer von Krankenhausaufenthalten.

Bei Colitis ulcerosa zeigte eine placebo-kontrollierte Studie mit CBD-reichem Extrakt Verbesserungen bei Krankheitsaktivität, Schweregrad und patientenberichteter Lebensqualität.

Patientenzufriedenheit und Versorgungslage

Laut Erhebungen der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV):

  • 93 % der Cannabis nutzenden Patient:innen würden die Therapie weiterempfehlen
  • 83 % berichteten über Verbesserungen bei Bauchschmerzen und Schlaf
  • gleichzeitig beziehen 52,9 % Cannabis über den Schwarzmarkt
  • 43,8 % brachen die Nutzung wegen fehlendem Zugang zu ärztlich begleiteter Therapie ab

Quellenangaben

[1] Naftali, T., Bar Lev, L., Yablekovitz, D., Half, E., Konikoff, F.M. (2011). Treatment of Crohn’s Disease with Cannabis: An Observational Study. The Israel Medical Association journal : IMAJ, 13(8), 455–458.

 

[2] Kafil, T.S., Nguyen, T.M., MacDonald, J.K., Chande, N. (2018). Cannabis for the treatment of Crohn's disease. The Cochrane database of systematic reviews, 11(11), CD012853.

 

[3] Desai, P., Mbachi, C., Vohra, I., Salazar, M., Mathew, M., Randhawa, T., Haque, Z., Wang, Y., Attar, B., Paintsil, I. (2020). Association Between Cannabis Use and Healthcare Utilization in Patients With Irritable Bowel Syndrome: A Retrospective Cohort Study. Cureus, 12(5), e8008.

 

[4] Irving, P.M., Iqbal, T., Nwokolo, C., Subramanian, S., Bloom, S., Prasad, N., Hart, A., Murra, C., Lindsay, J.O., Taylor, A., Barron, R., Wright, S. (2018). A Randomized, Double-blind, Placebo-controlled, Parallel-group, Pilot Study of Cannabidiol-rich Botanical Extract in the Symptomatic Treatment of Ulcerative Colitis. Inflammatory bowel diseases, 24(4), 714–724.

 

[5] “Bauchredner”, Mitgliedermagazin des DCCV e.V., Ausgabe 01/2022 vom März 2022.

Autor

Christian Paffhausen

Head of Marketing

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