Die Geschichte von Cannabis
Die Geschichte von Cannabis

Die Hanfpflanze zählt zu den ältesten Nutz- und Kulturpflanzen der Menschheit. Über Jahrtausende wurde sie als Rohstoff, Nahrungsmittel und Heilpflanze genutzt. Der folgende Text gibt einen Überblick über die historische Entwicklung von Cannabis, seinen Bedeutungsverlust im 20. Jahrhundert und die heutige Renaissance in Industrie, Medizin und Forschung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Lange Geschichte: Hanf wird seit über 10.000 Jahren kultiviert und vielseitig genutzt.
- Verbot und Wandel: Wirtschaftliche Interessen und internationale Abkommen führten im 20. Jahrhundert zum globalen Verbot.
- Moderne Renaissance: Heute gewinnt Cannabis erneut an Bedeutung – als Rohstoff, Nahrungsmittel und medizinische Option.
Die Geschichte der Hanfpflanze
Die Hanfpflanze (lateinischer Name: Cannabis) blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück: Schon vor über 10.000 Jahren wurde Hanf in China und Persien kultiviert und gehört damit zu den ältesten Kulturpflanzen überhaupt.
Weltweite Verbreitung als Nutzpflanze
Im 13. Jahrhundert trat der Hanf seinen Siegeszug nach Europa an und wurde mit der zunehmenden Verbreitung zur weltweit am häufigsten angebauten Nutzpflanze. Cannabis war vielseitig einsetzbar: Hanfsamen dienten als Nahrung, die Blätter als Medizin. Unter anderem sollten sie die Heilung von Wunden unterstützen und gegen Gicht sowie mentale Probleme helfen.
Aus den Hanffasern wurden Stoffe und Papier hergestellt. So wurde die erste Bibel 1455 von Johannes Gutenberg auf Hanf gedruckt. Wenige Jahrzehnte später brachte Christoph Kolumbus Hanf nach Amerika – Schiffstaue und Segel bestanden aus dem robusten Naturstoff.
Auch dort setzte sich Hanf schnell durch: Die Unabhängigkeitserklärung der USA (1776) wurde auf Hanfpapier geschrieben, ebenso bestand die erste von Levi Strauss gefertigte Jeans (1870) aus Hanf.
Niedergang der Hanfnutzung
Mit der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert verlor Hanf an Bedeutung, da Ernte und Verarbeitung weiterhin manuell erfolgten. Baumwolle, Jute und Holz ersetzten den Hanf zunehmend.
In Europa wuchs jedoch das Interesse der medizinischen Forschung. Cannabispräparate wurden bei Schmerzen (z. B. Migräne, Menstruationsbeschwerden), Asthma, Keuchhusten, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafproblemen, Appetitlosigkeit und Depressionen eingesetzt.
1938 kam in den USA eine vollautomatische Schälmaschine für Hanf auf den Markt. Dennoch führten wirtschaftliche Interessen zur Einführung einer Hanfsteuer und schließlich zu einem kompletten Anbauverbot. Auch der Trend zu synthetischen Arzneimitteln ließ die medizinische Nutzung zurückgehen.
Mit dem Einheits-Übereinkommen über Betäubungsmittel (1961) wurde Cannabis in 180 Ländern verboten, auch zu medizinischen Zwecken. Lediglich die wissenschaftliche Forschung blieb erlaubt.
Renaissance von Cannabis
In den 1960er-Jahren entschlüsselten Forschende die chemische Struktur der Cannabinoide THC und CBD. In den 1990er-Jahren wurde das Endocannabinoid-System entdeckt, was intensive Forschung auslöste.
Parallel kamen weltweit Cannabisprodukte auf den Markt, deren Inhaltsstoffe sich stark unterschieden. Im Fokus standen vor allem THC und CBD.
Moderne Nutzung der Hanfpflanze
Heute erlebt Hanf eine Renaissance:
- Die Fasern werden für Papier, Textilien sowie Dämm- und Isolierstoffe genutzt
- Hanfsamen finden sich aufgrund ihres hohen Proteingehalts in Lebensmitteln und Kosmetika
- Ein wachsender Markt besteht für medizinisches Cannabis
Dabei wird zwischen dem psychoaktiven THC und dem nicht-psychoaktiven CBD unterschieden.
Medizinisches Cannabis heute
Seit 2017 darf THC unter bestimmten Voraussetzungen in Form von Hanfblüten ärztlich verordnet werden. Diese stammen aus staatlich kontrolliertem Anbau oder Import. Zudem gibt es zugelassene Arzneimittel mit THC und CBD, unter anderem zur Behandlung von spastischen Symptomen bei Multipler Sklerose.
CBD wird heute vor allem bei Epilepsie eingesetzt, ein entsprechendes Arzneimittel ist in den USA zugelassen. Weitere mögliche Einsatzgebiete wie chronische Schmerzen, Schlafstörungen, Depressionen oder ADHS werden diskutiert, sind jedoch nicht vollständig wissenschaftlich belegt.
Ausblick: Legalisierung von Cannabis
Die Forderung nach einer Legalisierung von Cannabis besteht seit Jahren und war auch Thema der Koalitionsverhandlungen der Ampel-Parteien. Ob, wann und unter welchen Bedingungen eine Legalisierung in Deutschland erfolgt, ist weiterhin ungewiss (Stand: 03/2022). Argumente für und gegen eine Legalisierung werden fortlaufend diskutiert.
Quellenangaben
[1] Müller A. & Karkowsky S. (2021). „Es gibt keine Argumente mehr für die Prohibition“. Legalisierung von Cannabis. Andreas Müller im Gespräch mit Stephan Karkowsky: In: Deutschlandfunk Kultur.
[2] Müller A. & Karkowsky S. (2021). „Es gibt keine Argumente mehr für die Prohibition“. Legalisierung von Cannabis. Andreas Müller im Gespräch mit Stephan Karkowsky: In: Deutschlandfunk Kultur.
[3] Müller-Vahl, K. R., & Grotenhermen, F. (2020). Cannabis und Cannabinoide: in der Medizin. MWV.
[4] Delvaux de Fenffe G. Hanf - Pflanzen. In: Planet Wissen.









