Medical Gaslighting

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22 Oct 2025

Medical Gaslighting

Medical Gaslighting ist ein ernstzunehmendes, jedoch häufig unterschätztes Problem im Gesundheitswesen. Betroffene berichten davon, dass ihre Symptome abgetan oder nicht ausreichend untersucht werden. Der folgende Text erklärt, was Medical Gaslighting bedeutet, wer besonders betroffen ist und wie Patient:innen damit umgehen können.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Definition: Medical Gaslighting beschreibt das Abwerten oder Infragestellen von Beschwerden durch medizinisches Fachpersonal.
  • Betroffene Gruppen: Besonders häufig betroffen sind Frauen, LGBTQ+-Personen, People of Colour und ältere Menschen.
  • Handlungsmöglichkeiten: Dokumentation, zweite Meinungen und Selbstvertretung können helfen, ernst genommen zu werden.

Was ist Medical Gaslighting?

Medical Gaslighting geschieht, wenn Ärzte und Ärztinnen Symptome von Patient:innen übersehen, herunterspielen oder psychologisieren. Dies kann zu Fehldiagnosen oder verzögerten Behandlungen führen.

Betroffene beginnen im Laufe der Zeit häufig, an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln, und sehen sich gezwungen, für die Ernsthaftigkeit ihrer Beschwerden zu kämpfen.

Wer ist betroffen?

Medical Gaslighting kann grundsätzlich jede Person betreffen. Besonders häufig berichten jedoch:

  • Frauen
  • Mitglieder der LGBTQ+-Gemeinschaft
  • People of Colour
  • Ältere Erwachsene

Bei Frauen werden körperliche Symptome häufig vorschnell als psychosomatisch eingeordnet. Männer erleben Medical Gaslighting vor allem im Bereich der psychischen Gesundheit, etwa bei Depressionen. Ein bekanntes Beispiel sind Herzerkrankungen bei Frauen, deren Symptome häufig fehlinterpretiert werden.

Ursachen und Gründe

Medical Gaslighting hat vielschichtige Ursachen, darunter strukturelle Probleme und individuelle Vorurteile:

1. Vorurteile und Stereotype

Geschlechts-, Kultur- oder altersbezogene Vorannahmen führen dazu, dass Symptome falsch eingeordnet oder bagatellisiert werden.

2. Diagnostische Standardisierung

Viele Diagnosemodelle orientieren sich an einem engen Normbild, wodurch komplexe oder atypische Krankheitsverläufe übersehen werden.

3. Unbewusste Vorurteile und Gender Health Gap

Der Gender Health Gap trägt dazu bei, dass Beschwerden bestimmter Gruppen weniger ernst genommen werden.

4. Mangelnde gründliche Untersuchung

Uneindeutige Symptome werden teils nicht ausreichend abgeklärt, sondern vorschnell bewertet.

5. Autoritäts- und Vertrauensverhältnis

Das hierarchische Verhältnis zwischen Arzt/Ärztin und Patient:in kann kritisches Nachfragen erschweren.

Wichtig: Medical Gaslighting ist häufig nicht absichtlich, kann aber dennoch gravierende gesundheitliche Folgen haben.

Quellenangaben

[1] Nancy N. Maserejian, Carol L. Link, ., Karen L. Lutfey, Lisa D. Marceau, and John B. McKinlay (2009). Disparities in Physicians’ Interpretations of Heart Disease Symptoms by Patient Gender: Results of a Video Vignette Factorial Experiment https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2825679/pdf/jwh.2008.1007.pdf 

Autor

Stefanie Nicolai

Content-Queen

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