Das Vorurteil vom "faulen Kiffer" – Ein Mythos widerlegt

8

Min. Lesezeit

18 Sep 2025

Das Vorurteil vom "faulen Kiffer" – Ein Mythos widerlegt

Das Bild vom antriebslosen Cannabiskonsumenten ist weit verbreitet. Neue wissenschaftliche Untersuchungen stellen dieses Klischee jedoch infrage. Der folgende Beitrag fasst aktuelle Studien zusammen und beleuchtet, wie medizinisches Cannabis im Kontext von Symptomen, Alltagsaktivität und gesellschaftlicher Wahrnehmung diskutiert wird.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Studienlage: Aktuelle Forschung untersucht den Zusammenhang zwischen medizinischem Cannabis und Alltagsbewegung.
  • Symptomentlastung: Chronische Schmerzen, Schlaf- und Angstprobleme werden als Einflussfaktoren auf Aktivität diskutiert.
  • Gesellschaftliche Perspektive: Der Text greift die Stigmatisierung von Cannabis-Patienten kritisch auf.

Warum medizinisches Cannabis zu mehr Bewegung im Alltag führt

Das Klischee des „faulen Kiffers“, der lethargisch auf der Couch sitzt und den ganzen Tag nichts tut, hält sich hartnäckig. Doch eine neue Studie aus dem Journal of Cannabis Research zeigt: Patienten, die medizinisches Cannabis zur Linderung ihrer Symptome einnehmen, sind sogar häufiger körperlich aktiv als Personen, die kein Cannabis konsumieren. 

Insbesondere Menschen mit chronischen Schmerzen erleben dank der schmerzlindernden und entspannenden Wirkung von medizinischem Cannabis oft eine verbesserte Lebensqualität und damit mehr Freude an Bewegung im Alltag.

Medizinisches Cannabis: Mehr Lebensqualität statt Antriebslosigkeit

Viele Menschen greifen aus medizinischen Gründen zu Cannabis, um Symptome wie chronische Schmerzen, Angststörungen, Schlafstörungen oder neurologische Erkrankungen zu behandeln. 

Die Vorstellung, dass Cannabis grundsätzlich „faul“ oder „antriebslos“ macht, ist nicht nur falsch, sondern auch problematisch für viele Patient:innen, die mit Stigmatisierung zu kämpfen haben.

Wissenschaftliche Fakten: Medizinisches Cannabis fördert Alltagsbewegung

Laut einer aktuellen Studie von Merrill et al. (2024) sind Menschen, die medizinisches Cannabis einnehmen, mit 24 % höherer Wahrscheinlichkeit körperlich aktiv als Nicht-Konsumenten. 

Besonders in Ländern und Bundesstaaten mit legalisiertem Cannabis zeigt sich ein noch stärkerer Zusammenhang zwischen medizinischem Cannabiskonsum und körperlicher Aktivität.

Wichtige Erkenntnisse der Studie

  1. Mehr Bewegung: Personen, die medizinisches Cannabis einnehmen, sind häufiger aktiv und sportlich.
  2. Chronische Erkrankungen & Bewegung: Patient:innen mit chronischen Erkrankungen sind trotz Beschwerden körperlich aktiver als vergleichbare Nicht-Konsumenten.
  3. Legalisierung fördert Aktivität: In Regionen mit legalisiertem Cannabis sind Menschen generell aktiver.

Chronische Schmerzen & Bewegungseinschränkungen

Chronische Schmerzen betreffen häufig den Bewegungsapparat, etwa bei Bandscheibenproblemen, Arthritis oder Fibromyalgie. Die reduzierte Schmerzbelastung kann es Patient:innen ermöglichen, wieder aktiver zu sein, sei es durch Spaziergänge, Sport oder alltägliche Bewegung.

Angststörungen & Stress

Patient:innen mit generalisierter Angststörung, PTBS oder sozialen Ängsten berichten, dass sie sich ausgeglichener fühlen. Die Reduktion von Stress kann dazu beitragen, soziale Aktivitäten oder körperliche Betätigung wieder aufzunehmen.

Schlafstörungen & Müdigkeit

Schlaf ist essenziell für Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Eine verbesserte Schlafqualität kann im Alltag zu mehr Energie und Motivation für Bewegung führen.

Neurologische Erkrankungen & Muskelspastiken

Auch bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Parkinson oder Epilepsie können Muskelverkrampfungen oder Koordinationsprobleme auftreten. Eine Reduktion dieser Symptome kann die Beweglichkeit und Mobilität verbessern.

Stigmatisierung von Cannabis-Patienten

Trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse erleben viele Patient:innen weiterhin Vorurteile. Ärztliches Umfeld, Arbeitgeber oder Bekannte begegnen der Therapie oft mit Skepsis. Dabei wird häufig übersehen, dass viele Menschen erst durch medizinisches Cannabis wieder in der Lage sind, ein aktives und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Fazit: Medizinisches Cannabis macht nicht faul

Die vorgestellten Ergebnisse zeigen: Das Klischee des antriebslosen Cannabiskonsumenten greift zu kurz. Menschen, die medizinisches Cannabis nutzen, berichten häufig von einer verbesserten Lebensqualität und mehr Bewegung im Alltag. Besonders bei chronischen Erkrankungen kann dies eine wichtige Rolle spielen – ohne die Notwendigkeit, auf stereotype Zuschreibungen zurückzugreifen.

Autor

Dr. Julian Wichmann

Cannabis-Doc bei Bloomwell

Inhaltsverzeichnis

Terpene und Alltagsaktivität

Welche Terpene helfen besonders gut, die Alltagsaktivität zu steigern und zu mehr Bewegung beizutragen?

Für jede Erkrankung gibt es bestimmte Terpene in der Cannabispflanze, die individuelle Symptome oder gesundheitliche Probleme bestmöglich lindern können. Um im Alltag wieder aktiver zu sein und Bewegung zu fördern, ist es wichtig, Schmerzen oder Krämpfe zu reduzieren sowie Motivation und Antrieb zu unterstützen. 

Terpene, die besonders schmerzlindernd und antriebsfördernd wirken, sind folgende:

Limonen – stimmungsaufhellend & energiegebend

  • Wirkung: Limonen fördert eine positive Stimmung, reduziert Stress und kann helfen, Energie und Motivation zu steigern.
  • Besonders hilfreich bei: Erschöpfung, Depression, Stress, Angststörungen.

Terpinolen – aktivierend & belebend

  • Wirkung: Terpinolen wirkt sich positiv auf die Stimmung aus, hat eine leicht anregende Wirkung und kann die Motivation verbessern.
  • Besonders hilfreich bei: Erschöpfung, Stress, Motivationsproblemen.

Beta-Caryophyllen – bewegungsfördernd & entzündungshemmend

  • Wirkung: Lindert Entzündungen und Schmerzen, wodurch Bewegung erleichtert werden kann.
  • Besonders hilfreich bei: Arthritis, Fibromyalgie, Muskelverspannungen, Endometriose.

Terpenprofile und geeignete Strains

Welche Strains besitzen eine Terpenzusammensetzung, die Schmerzlinderung sowie Antrieb und Motivation unterstützen kann?

Aufgrund dieser Eigenschaften können bestimmte Strains die Alltagsbewegung fördern und dem Klischee des „faulen Kiffers“ entgegenwirken.

Tyson 30 (Haymaker Haze)

Diese Sorte ist für ihren hohen THC-Gehalt bekannt, was sie besonders wirksam bei der Linderung chronischer Schmerzen macht. Die sativa-dominierte Genetik kann zudem antriebsfördernd wirken und Energie sowie Fokus steigern.

Breezy White Widow

Als Hybrid-Sorte mit ausgewogenem THC- und CBD-Gehalt bietet Breezy White Widow sowohl Schmerzlinderung als auch eine leichte Steigerung der Motivation. Sie eignet sich für Patient:innen, die eine Balance zwischen Entspannung und Aktivität suchen.

Strawberry Ice

Diese sativa-dominierte Sorte ist für ihre stimmungsaufhellenden und antriebsfördernden Eigenschaften bekannt. Sie kann bei leichten Schmerzen unterstützend wirken und gleichzeitig die Energie steigern.

Hinweis: Die Wirkung von Cannabis kann individuell variieren. Es wird empfohlen, vor der Anwendung mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen, um eine passende Sorte auszuwählen.

Quellenhinweis: 

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39385308/