Nach Jahren mit Pankreatitis-Schmerzen: Ein Patientenfall mit medizinischem Cannabis

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Nach Jahren mit Pankreatitis-Schmerzen: Ein Patientenfall mit medizinischem Cannabis

Wer ist „Frau Weber“ und woher stammt dieser Fall?

Bei der folgenden Geschichte handelt es sich nicht um eine Bloomwell-Patientin, sondern um einen medizinischen Fallbericht, der 2025 im Journal of Cannabis Research veröffentlicht wurde. Darin beschreiben Spaccavento et al. (2025) den Behandlungsverlauf einer 54-jährigen Patientin mit langjähriger chronischer Pankreatitis.

Der tatsächliche Name der Patientin wird in der Publikation nicht genannt. Für unsere redaktionelle Zusammenfassung nennen wir sie zur besseren Lesbarkeit „Frau Weber“.

Ihre Geschichte ist besonders auffällig: Nach mehr als zwei Jahrzehnten mit wiederkehrenden Schmerzen, zahlreichen medizinischen Eingriffen und regelmäßigen Krankenhausaufenthalten begann sie 2024 unter ärztlicher Begleitung eine Therapie mit einem CBD-reichen medizinischen Cannabispräparat.

Über zwei Jahrzehnte mit wiederkehrenden Schmerzen

Die Beschwerden von Frau Weber reichen laut Fallbericht bis in ihre jungen Erwachsenenjahre zurück. Immer wieder litt sie unter starken Oberbauchschmerzen, Übelkeit und akuten Entzündungen der Bauchspeicheldrüse.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine chronische Pankreatitis mit wiederkehrenden akuten Schüben. Trotz zahlreicher Untersuchungen und Behandlungen blieben die Beschwerden bestehen.

Frau Weber durchlief unter anderem mehrere endoskopische Eingriffe an den Gallen- und Bauchspeicheldrüsengängen, erhielt wiederholt Stents und unterzog sich einer Entfernung der Gallenblase. Zusätzlich wurden Verdauungsenzyme sowie verschiedene Schmerzmedikamente eingesetzt.

Dennoch kam es weiterhin regelmäßig zu starken Schmerzepisoden und Krankenhausaufenthalten.

Wenn Schmerzen zunehmend den Alltag bestimmen

Über etwa 20 Jahre berichtete Frau Weber von Schmerzattacken, die ungefähr ein- bis zweimal pro Woche auftraten.

Auf einer Schmerzskala von 0 bis 10 lagen diese typischerweise bei etwa 7 bis 8. Ein- bis zweimal pro Jahr wurden die Schmerzen laut Fallbericht so stark, dass sie mit 9 bis 10 von 10 bewertet wurden und eine stationäre Behandlung notwendig war.

Auch zwischen den akuten Episoden bestanden immer wieder leichtere chronische Beschwerden.

Die Erkrankung wirkte sich zunehmend auf ihr gesamtes Leben aus. Durch Schmerzen und verminderten Appetit verlor Frau Weber stark an Gewicht und erreichte zeitweise einen BMI von etwa 15. Gleichzeitig führten die wiederkehrenden Beschwerden und Krankenhausaufenthalte zu einer erheblichen Einschränkung ihres Alltags.

Warum eine neue Therapie versucht wurde

Die bis dahin eingesetzten Behandlungen konnten laut Fallbericht keine anhaltende Kontrolle der Beschwerden erreichen.

Auch eine größere Operation an der Bauchspeicheldrüse wurde von verschiedenen behandelnden Zentren aufgrund des individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnisses nicht als geeignete Option angesehen.

Im Februar 2024 stellte sich Frau Weber schließlich in einer Schmerzklinik im italienischen Bari vor. Aufgrund des langen und therapieresistenten Verlaufs entschieden sich die behandelnden Ärzt:innen dafür, eine cannabinoidbasierte Therapie auszuprobieren.

Wie sah die Cannabistherapie aus?

Zum Einsatz kam ein CBD-reiches medizinisches Cannabisextrakt. Das Präparat enthielt laut Fallbericht 5 % Cannabidiol (CBD) und weniger als 0,5 % Tetrahydrocannabinol (THC).

Damit handelte es sich um ein standardisiertes medizinisches Präparat mit einem deutlichen Schwerpunkt auf CBD und nur einem sehr geringen THC-Anteil.

Die Behandlung wurde ärztlich verordnet und begleitet. Bereits innerhalb der ersten Tage berichtete Frau Weber laut Publikation über eine starke Verringerung ihrer Schmerzen.

Von starken Schmerzen zu einem Schmerzscore von 0

Der Verlauf nach Beginn der Therapie war außergewöhnlich.

Vorher bewertete Frau Weber ihre wiederkehrenden Schmerzattacken typischerweise mit 7 bis 8 von 10. Nach Beginn der Cannabistherapie gab sie laut Fallbericht schließlich 0 von 10 auf der Schmerzskala an.

Auch die bis dahin wiederkehrenden akuten Schmerzepisoden traten während der dokumentierten Nachbeobachtung nicht mehr auf.

Dadurch konnte sie laut Fallbericht auch auf zuvor benötigte zusätzliche Schmerzmedikamente wie Ketorolac, Paracetamol und Butylscopolamin verzichten.

Was passierte in den folgenden 16 Monaten?

Besonders interessant ist, dass die Beobachtung nicht nach wenigen Wochen endete.

Die Patientin wurde von Februar 2024 bis Juni 2025, also über einen Zeitraum von insgesamt 16 Monaten, regelmäßig kontrolliert.

In diesem Zeitraum wurden laut Fallbericht:

  • keine weiteren akuten Pankreatitis-Episoden dokumentiert,
  • keine weiteren Krankenhausaufenthalte notwendig,
  • keine zusätzlichen Schmerzmedikamente mehr benötigt
  • und keine unerwünschten Wirkungen der Cannabistherapie berichtet.

Zum Vergleich: In den fünf Jahren vor Beginn der Therapie hatte Frau Weber durchschnittlich ein- bis zweimal pro Jahr stationär behandelt werden müssen.

Nicht nur die Schmerzen veränderten sich

Mit der Verbesserung der Beschwerden veränderten sich laut Fallbericht auch weitere Bereiche ihres Alltags.

Frau Weber berichtete über einen besseren Appetit, mehr Energie und eine bessere Schlafqualität. Gleichzeitig nahm ihr zuvor stark reduziertes Körpergewicht wieder zu.

Während sie in einer besonders belastenden Phase weniger als 37 Kilogramm gewogen hatte und einen BMI von etwa 15 aufwies, erreichte sie bei der letzten Nachkontrolle ein Gewicht von 58 Kilogramm und einen BMI von 20.

Sie konnte zudem wieder normalen Alltagsaktivitäten nachgehen, die aufgrund der chronischen Beschwerden und regelmäßigen Krankenhausaufenthalte zuvor stark eingeschränkt gewesen waren.

Was lässt sich aus diesem Patientenfall mitnehmen?

Der Verlauf von Frau Weber ist bemerkenswert. Besonders auffällig ist nicht nur die berichtete Schmerzreduktion, sondern auch, dass die Verbesserung über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr dokumentiert wurde.

Der Fall verdeutlicht außerdem, wie individuell cannabinoidbasierte Therapien sein können. Bei Frau Weber wurde kein beliebiges Cannabisprodukt eingesetzt, sondern ein ärztlich ausgewähltes und standardisiertes Präparat mit einem hohen CBD- und sehr niedrigen THC-Anteil.

Gleichzeitig darf aus ihrem Verlauf nicht geschlossen werden, dass dieselbe Behandlung bei anderen Menschen mit chronischer Pankreatitis zu vergleichbaren Ergebnissen führt.

Was kann ein einzelner Fall nicht zeigen?

Auch wenn die Entwicklung bei Frau Weber außergewöhnlich positiv verlief, handelt es sich weiterhin um eine einzelne Patientin ohne Kontrollgruppe.

Ein Fallbericht kann daher nicht nachweisen, dass die beobachtete Verbesserung tatsächlich allein durch das Cannabispräparat verursacht wurde oder wie häufig ein vergleichbarer Verlauf bei anderen Patient:innen auftreten würde.

Genau diese Einschränkung betonen auch Spaccavento et al. (2025) selbst. Größere und kontrollierte Studien seien notwendig, bevor belastbare Aussagen zur Wirksamkeit bei chronischer Pankreatitis getroffen werden können.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit von Javidi und Gardner (2026) kommt ebenfalls zu einer zurückhaltenden Einschätzung: Die vorhandene Evidenz zu Cannabis bei chronischer Pankreatitis sei insgesamt begrenzt und überwiegend von niedriger Qualität. Während einzelne Beobachtungsdaten positive Signale zeigen, fand beispielsweise eine randomisierte Studie mit THC keine signifikante Verringerung der Bauchschmerzen.

Der Fall von Frau Weber sollte daher als interessante klinische Beobachtung und nicht als allgemeiner Wirksamkeitsnachweis verstanden werden.

Häufige Fragen

Kann medizinisches Cannabis bei chronischer Pankreatitis helfen?

Der veröffentlichte Fall von Frau Weber zeigt, dass einzelne Patient:innen möglicherweise deutlich profitieren können. Die allgemeine Studienlage ist jedoch bislang zu begrenzt, um daraus eine allgemeine Empfehlung oder einen verlässlichen Behandlungseffekt abzuleiten.

Was geschah bei Frau Weber nach Beginn der Cannabistherapie?

Laut Fallbericht verringerte sich ihre angegebene Schmerzintensität von zuvor häufig 7 bis 8 von 10 auf 0. Während der 16-monatigen Nachbeobachtung wurden außerdem keine weiteren akuten Pankreatitis-Episoden oder Krankenhausaufenthalte berichtet.

Welches Cannabispräparat wurde verwendet?

Im Fallbericht wurde ein CBD-reiches medizinisches Cannabisextrakt mit 5 % CBD und weniger als 0,5 % THC eingesetzt. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht automatisch auf andere Cannabisprodukte oder THC-CBD-Verhältnisse übertragen.

Hat medizinisches Cannabis die Pankreatitis geheilt?

Das lässt sich aus dem Fallbericht nicht ableiten. Dokumentiert wurden eine starke Verbesserung der Beschwerden und das Ausbleiben weiterer akuter Episoden während des Beobachtungszeitraums. Ein einzelner Fall kann jedoch weder eine Heilung noch eine krankheitsmodifizierende Wirkung belegen.

Sind Fallberichte ausreichend, um die Wirksamkeit einer Therapie zu belegen?

Nein. Fallberichte können außergewöhnliche klinische Verläufe dokumentieren und Hinweise für weitere Forschung liefern. Für belastbare Aussagen zur Wirksamkeit sind jedoch größere, kontrollierte Studien erforderlich.

Fazit

Der veröffentlichte Fall von Frau Weber beschreibt einen außergewöhnlichen Verlauf: Nach über zwei Jahrzehnten mit wiederkehrenden Schmerzen, zahlreichen medizinischen Eingriffen und regelmäßigen Krankenhausaufenthalten begann sie eine ärztlich begleitete Therapie mit einem CBD-reichen medizinischen Cannabisextrakt.

In den folgenden 16 Monaten berichtete sie über vollständige Schmerzfreiheit, benötigte keine zusätzlichen Schmerzmedikamente mehr und musste nicht erneut aufgrund ihrer Pankreatitis stationär behandelt werden. Auch ihr Gewicht, ihr Schlaf und ihre Fähigkeit, wieder normalen Alltagsaktivitäten nachzugehen, verbesserten sich laut Fallbericht deutlich.

So beeindruckend dieser Verlauf ist, bleibt er die Erfahrung einer einzelnen Patientin. Die allgemeine wissenschaftliche Evidenz zu Cannabinoiden bei chronischer Pankreatitis ist weiterhin begrenzt.

Der Fall zeigt deshalb vor allem, warum ungewöhnlich positive individuelle Verläufe wissenschaftlich interessant sein können und weitere Forschung rechtfertigen, nicht aber, dass sich das Ergebnis automatisch auf andere Patient:innen übertragen lässt.

Quellen & weiterführende Literatur

Spaccavento et al. (2025): Medical cannabis for the management of pain in chronic pancreatitis with recurrent exacerbations: a case report. Journal of Cannabis Research, 7, 55. PubMed

Javidi & Gardner (2026): Cannabis use in chronic pancreatitis: A narrative review. Pancreatology, 26(1), 13–17. PubMed

Redaktioneller Hinweis: Bei „Frau Weber“ handelt es sich nicht um eine Bloomwell-Patientin. Dieser Beitrag fasst einen 2025 veröffentlichten medizinischen Fallbericht aus Italien redaktionell zusammen. Der Name „Frau Weber“ wurde von uns zur besseren Lesbarkeit gewählt und ist nicht der tatsächliche Name der Patientin. Patientenerfahrungen sind individuell und stellen weder eine medizinische Empfehlung noch einen allgemeinen Wirksamkeitsnachweis dar.

Autor

Stefanie Nicolai

Content-Queen

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