Cannabis Barometer - Q2 2026 – Normalisierung, sinkende Preise und die kritische Bedeutung der Digitalisierung
Cannabis Barometer - Q2 2026 – Normalisierung, sinkende Preise und die kritische Bedeutung der Digitalisierung

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Nord-Süd-Gefälle nimmt ab
Lange Zeit war der Anteil der Medizinalcannabis-Patient:innen im Süden Deutschlands (z.B. Bayern, Baden-Württemberg, Saarland) deutlich höher als im Rest der Republik. Diese Diskrepanz verringert sich zunehmend. Insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern – wie Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg – verzeichnen wir ein überproportionales Wachstum der Patientenzahlen. Unsere Daten legen nahe, dass digitale Therapieangebote hier eine entscheidende Rolle spielen, indem sie Versorgungslücken schließen, wo niedergelassene Ärzt:innen mit Erfahrung in diesem Bereich fehlen.
Durchschnittspreis sinkt auf 4 Euro
Ein zentrales Ergebnis des Berichts ist die Preisentwicklung: Der Durchschnittspreis für Medizinalcannabisblüten ist im zweiten Quartal 2026 auf rund 4 Euro je Gramm gesunken. Sehr günstige Blüten (unter 4 Euro) machen mittlerweile fast 72 Prozent der abgegebenen Produkte aus.
Diese Entwicklung ist ein großer Erfolg für die Patient:innen, die preissensibel sind und so den Weg aus der illegalen Selbstmedikation in die legale, ärztlich betreute Therapie finden. Gleichzeitig verdeutlicht sie die Diskrepanz zur Erstattungspraxis der gesetzlichen Krankenkassen, die teilweise noch bis zu 19 Euro pro Gramm erstatten – eine Preisverordnung, die sich vollständig von der Marktrealität entkoppelt hat. Doch statt dort nachzubessern will der Gesetzgeber die Erstattung von Medizinalcannabisblüten gänzlich streichen.
Ohne Versandhandel wäre die Versorgung gefährdet
Die Digitalisierung ist kein „Nice-to-have“, sondern das Rückgrat der Versorgung. Fast 50 Prozent der Patient:innen leben mehr als 10 Kilometer von einer der 271 auf Medizinalcannabis spezialisierten Apotheken entfernt. In manchen Bundesländern gibt es gar keine oder maximal eine solche Apotheke vor Ort. Der Online-Versand stellt sicher, dass Patient:innen Zugang zu der für sie individuell richtigen Medikation erhalten – eine Wahlmöglichkeit, die bei über 1.000 verfügbaren Produkten lokal kaum abbildbar wäre.
Appell an den Gesetzgeber
Trotz der positiven Entwicklungen blicken wir mit Sorge auf das kommende „Spargesetz“. Dr. med. Julian Wichmann, Mitgründer und CEO von Bloomwell, betont die Chancen, die in der digitalen Therapie liegen: „Die Digitalisierung hat auch in Regionen, in denen es flächendeckend an niedergelassenen Ärzt:innen mit Erfahrung im Bereich Medizinalcannabis mangelt, den Zugang ermöglicht.“
Niklas Kouparanis ergänzt mit Blick auf das Streichen der Kostenerstattung für Medizinalcannabisblüten von GKV-Patient:innen kritisch: „Wem es wirklich um Einsparungen geht, nicht um das Diffamieren von Medizinalcannabisblüten, der muss radikal umdenken: Innovation und Telemedizin dürfen im Gesundheitssystem nicht als Gegner, sondern müssen als verlässliche Partner begriffen werden. In dieser Form lässt der Gesetzgeber Patient:innen im Regen stehen.“
Das Bloomwell-Team steht weiterhin für einen konstruktiven Dialog bereit, um die Versorgung chronisch erkrankter Menschen nachhaltig und effizient zu gestalten.










